Seit nun drei Wochen ist die Wettkampfsaison 2011/12 Geschichte, an der ich leider nur ein Viertel der veranstalteten Wettkämpfe, aufgrund einer Schambeinentzündung, teilnehmen konnte. Ab Oktober letzten Jahres hatte sich diese Entzündung leicht angebahnt, doch ich blieb eisern und bestritt noch die ersten Wettkämpfe. Seit Anfang Dezember letzten Jahres befinde ich mich speziell für diese Schambeinproblematik in besten physiotherapeutischen Händen bei Sebastian Lange. Doch Leistungssport und eine Entzündung haben sich schlecht miteinander kombinieren lassen. Somit entschloss ich mich dafür, mit Beginn des neuen Jahres die Wettkampfsaison abzubrechen, um das Abheilen der Entzündung zu unterstützen. Schade war es für mich nur, weil ich so gern an dem Übersee Weltcup in Salt Lake City und an der Sprint WM in Calgary teilgenommen hätte, um die 35 Sekunden zu knacken. Doch ich denke, mein Bruder Denny, der seine persönliche Bestzeit auf 35,23 Sekunden nach unten schrauben konnte, hatte mich würdig vertreten. In diesen Momenten hilf nur eins, nach vorn schauen und optimistisch denken, denn das eigentliche Ziel mit den Olympischen Spielen in Sotchi, steht ja noch bevor.
Nach sieben Wochen keinerlei sportlicher Betätigung -nur physiotherapeutischer Behandlungen- habe ich mit den ersten Rehabilitationsübungen begonnen. Diese Übungen bewältige ich immer noch, aber mit einem großen Unterschied, nämlich dass die Entzündung seit mehreren Wochen abgeheilt ist. Von diesem Aspekt her kann ich jetzt mit voller Überzeugung sagen, es war die richtige Entscheidung, die Wettkampfsaison abzubrechen. Hätte ich dies nicht getan und mich eventuell durch die Wettkampfsaison, mit den verschiedensten Behandlungsmethoden geschliffen, dann würde ich mich wahrscheinlich jetzt noch mit der Entzündung herum plagen und die neue Wettkampfsaison wäre gefährdet. Zumal man auch mit solch einer Entzündung keine Späße machen darf, denn diese kann auch chronisch werden und dann war es das für den Sport. Zudem wäre mein Traum, in Sotchi bei den Olympischen Spielen in der Rangliste ganz weit vorn dabei zu sein, wie in einer Seifenblase zerplatzt. Soweit wollte ich es dann aber doch nicht kommen lassen.
Die lange Pause vom Sport hatte auch etwas gutes an sich, ich konnte die komplette Schwangerschaft meiner Freundin Anni miterleben. Vor allem die Ultraschalluntersuchungen waren immer wieder ein Erlebnis. Nun ist es nicht mehr lang bis zum Entbindungstermin und wir sind schon seit neun Monaten voller Vorfreude.
Zum Saisonausklang wurde ich nach monatiger Abstinenz vom Eisschnelllauf, von meinem Sponsor der Deutschen Kreditbank, nach Berlin zum Weltcupfinale eingeladen. Nach einer Autogrammstunde gemeinsam mit Gunda Niemann-Stirnemann und Live Interviews an diesem Wochenende, war es vor allem sehr schön die Besten aus der Szene noch einmal hautnah gesehen zu haben. Wie ich am Anfang der Saison schon einmal erwähnt hatte, das Niveau der Sprinter ist in den letzten Jahren enorm nach oben geschossen und dass nochmal Live mit erlebt zuhaben war genial. Die Stärke der top Sprinter bereitet mir auch keine Angst, sondern es motiviert mich für die neue Saison, denn mein Ziel ist es wieder unter denen mitzumischen.
Nun blicke ich mit großer Zuversicht auf den Sommer, den ich natürlich verletzungsfrei bewältigen möchte. Auch einer erneuten Entzündung am Schambein werde ich keinen Zutritt gewähren, denn da habe ich nun genügend Argumente prophylaktisch dagegen zu agieren. Ich werde fleißig trainieren und dies immer mit einem Ziel im Auge, die 34 Sekunden auf 500m. Bis bald, euer Nico.